zuletzt geändert im Mai 2026
Der Begriff "Zeit" wird in unterschiedlichen Bedeutungen und Zusammenhängen verwendet. Ich spreche hier von der Zeit als Maßeinheit, von der auch gesagt wird, dass sie gemessen wird. Sie wird meist als objektive oder physikalische Zeit bezeichnet.
1. Historischer Rückblick auf Zeittheorien der Neuzeit
Isaac Newton (1642 - 1727): Raum und Zeit existieren eigenständig so wie andere Dinge. Gäbe es in der Welt keine anderen Dinge, so gäbe es immer noch Raum und Zeit. Diese Auffassung wird als Sustantialismus bezeichnet. "Die absolute, wahre und mathematische Zeit verfließt an sich und vermöge ihrer Natur gleichförmig und ohne Beziehung auf äußere Gegenstände."
Gottfried Wilhelm Leibniz ( 1646 - 1716): Raum und Zeit bestehen in den Relationen zwischen den Dingen (Relationismus). Da es keinen absoluten Raum gibt, ist Bewegung relativ.
Immanuel Kant (1724 - 1804): Raum und Zeit sind angeborene Formen unseres Denkens und Erkennens ("Kategorien a priori")
2. Die Zeit
Ursprünglich und allgemein ist Zeit eine endlose, virtueller Skala im Verstand, in die wir alle Ereignisse einordnen. Für die Physik welche die Abstände in der Aufeinanderfolge von Ereignissen misst, kann man die Skala präzisieren: Zeit ist das Maß der Dauer zwischen Ereignissen. Die lineare Zeitskala ist dem Verstand angeboren als grundlegende Form des Denkens und Erkennens.
Das ursprüngliche Zeitmaß der frühen Menschheit ist der Tag, bedingt durch den täglichen Lauf der Sonne. Infolge der evolutionären Entwicklung des Verstandes und des wissenschaftlichen Fortschritts ist in der Physik die Sekunde als Maßeinheit international exakt definiert.
In der Geschichtswissenschaft, in der Geowissenschaft und in der Kosmologie wird die Zeitskala als Kalender bezeichnet und in dieser Form aufgezeichnet.
3. Der Fluss der Zeit
Die Zeit fließt nicht und vergeht nicht, denn sie ist ein Maßstab (eine Zeitskala) im Verstand. Wir sprechen unzutreffend vom Fluss der Zeit, meinen aber die ständigen Veränderungen, den Fluss der Ereignisse in der Außenwelt, den wir beobachten. Immanuel Kant: "...der Wechsel trifft die Zeit selbst nicht, sondern nur die Erscheinungen in der Zeit..." (Kritik der reinen Vernunft).
In der Neuzeit trägt auch der an den Uhren sichtbare Gang der Zeiger zu dem Eindruck bei, dass die Zeit verläuft. Doch die lineare Zeitskala, die unserem Verstand angeboren ist, steht still. Sie ist lediglich für eine Dauer von 12 Stunden um das Uhrblatt "herumgewickelt" und wird auf der Uhr sichtbar.
4. Die Uhr
Weil unser Zeitgefühl nur ungenau ist, benötigen wir eine Uhr, wenn wir in kleineren Einheiten als Tagen messen wollen. Nur eine gleichmäßig gehende Uhr ist als Messgerät geeignet. Die Funktion der Uhr besteht darin, dass sie die Sekunden (oder kleinere Einheiten) zwischen zwei Ereignissen zählt. Die ursprüngliche Uhr der frühen Menschheit ist die Sonne, die aber in Form der Sonnenuhr nur Stunden anzeigen kann.
5. Die Uhrzeit
Im Alltag werden Uhren meist verwendet zum Ablesen der Uhrzeit. In der Natur gibt es keine Uhrzeit. Sie ist eine technisch-zivilisatorische Errungenschaft, um innerhalb einer nach politischen und praktischen Gesichtspunkten definierten Zeitzone einheitliche Termine festlegen zu können.
6. Gleichzeitigkeit
Jeder Augenblick, den ich mit "Jetzt" bezeichne, ist überall in der Welt derselbe. Wäre es nicht so, dann würde die Welt als Ganzes nicht gleichzeitig existieren. Daher ist Gleichzeitigkeit absolut (im Gegensatz zu Einsteins subjektivistischer Definition). Der Augenblick bezeichnet den Zustand der Welt in diesem Augenblick.
7. Weltzeit
Auf der realen und absoluten Gleichzeitigkeit beruht die Weltzeit. Vor vielen Jahrzehnten hat man sich auf eine wissenschaftlich-technische Weltzeit (WZ) geeinigt, auch bekannt als Greenwich Mean Time (GMT), Universal Time (UT), auch koordinierte Weltzeit (UTC). Sie ist eine Uhrzeit und umfasst auch die für die Raumfahrt bisher erschließbaren Bereiche.