Dienstag, 10. März 2015

Leibniz: Raum und Zeit sind Relationen

"Der Raum ist die Ordnung gleichzeitig existierender Dinge, wie die Zeit die Ordnung des Aufeinanderfolgenden ist."

Diese Auffassung setzte Gottfried Wilhelm Leibniz (1646 - 1716) dem Substantialismus seines Zeitgenossen Newton entgegen. Leibniz bestreitet den Substantialismus und entwickelt seine Vorstellungen in der Auseinandersetzung mit Newtons Theorie. Da es keinen absoluten Raum gibt, schließt Leibniz auf die Relativität von Bewegung.

In der Welt gibt es unzählige Dinge, aber wir finden kein Ding, das wir "Zeit" nennen könnten. Die Dinge sind in ständiger Veränderung und Bewegung. Die Veränderungen erfolgen teils gleichzeitig, teils nacheinander. Die Zeitrelationen sind wie die Raumrelationen keine Dinge, sondern strukturelle Beziehungen zwischen den Dingen. Zeit ist ein Attribut von Bewegung und Veränderung.

Die Welt ist räumlich und zeitlich strukturiert. Damit sind Raum und Zeit Eigenschaften der Welt.
Wenn es keinen absoluten Raum gibt, dann gibt es auch keine absolute Bewegung. Damit war der jahrelange Streit mit Newton vorprogrammiert. Das ging so weit, dass sie sich gegenseitig der Gotteslästerung bezichtigten - damals immer noch ein gefährlicher Vorwurf. In diesem Streit ging es aber vor allem auch darum, wer von den beiden die Differentialrechnung zuerst erfunden hat. Newton machte seinen ganzen Einfluss als Vorsitzender der "Royal Society of Sciences" geltend und ruhte nicht eher, bis Leibniz, ebenfalls Mitglied der Royal Society, als Plagiator gebrandmarkt war. Dabei war die Wahrheit ganz einfach: sie hatten die Differentialrechnung unabhängig voneinander erfunden.

Wegen der Zweifel an Newtons Auffassung von Raum und Zeit gewann der Relationismus in der theoretischen Physik gegen Ende des 19. Jahrhunderts die Oberhand. Maßgeblich dafür war insbesondere der Physiker und Philosoph Ernst Mach.


Kritik des Relationismus

Die Anordnung der Dinge im Raum ist keine Ordnung, sondern Chaos. Die Aufeinanderfolge der Geschehnisse ist keine Ordnung, sondern chaotisch. Die Ordnung schafft erst der Verstand. Die Zeit ist eine Ordnungsstruktur im Verstand, wie Immanuel Kant hundert Jahre nach Newton und Leibniz erkannte.

Leibniz macht einen ähnlichen Fehler wie Newton. Newton projiziert die im Verstand gegebene Vorstellung von absoluter Zeit als ein Ding in die Außenwelt. Leibniz betrachtet die Welt durch die Brille der im Verstand gegebenen Ordnungsstruktur Zeit und sieht deshalb im Chaos der Veränderungen und Bewegungen eine Ordnung.  Diese Ordnung besteht in der Unterscheidung von früher/später/gleichzeitig sowie unterschiedlicher Dauer.

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