Samstag, 5. Januar 2013

Der Zeitpfeil

Die Physik erklärt die Richtung der Zeit mit der Entropie. Bestimmte physikalische Vorgänge verlaufen nur in eine Richtung und sind nicht reversibel. Die Wärmeenergie ist im Universum ungleichmäßig verteilt. Weil die Wärme stets von wärmeren zu kälteren Körpern, aber von Natur aus niemals umgekehrt fließt, wird irgend wann im gesamten Universum die selbe Temperatur herrschen. Daher verläuft die Zeit nur vorwärts, nicht rückwärts. Wer eine physikalische Begründung für den Zeitpfeil sucht, der mag mit dieser Erklärung zufrieden sein.

Im Gegensatz zu dem physikalischen Argument der Entropie zeigt eine umfassendere Betrachtung der Wirklichkeit, dass aus Chaos auch Ordnung entsteht. Auf der Grundlage von Materie entsteht Leben. Auf der Grundlage von Leben entsteht Bewusstsein. Auf der Grundlage von Bewusstsein entstehen Verstand und Geist, entstehen geistige Produkte wie Mathematik, wissenschaftliche Theorien und Kunstwerke.

Die absolute Zeit als Denkkategorie und logisches Prinzip hat eine eindeutige Richtung, von der Vergangenheit über die Gegenwart zur Zukunft. Es bleibt lediglich die Frage, ob auch die Zeitrelationen von Natur aus nur vorwärts gerichtet sind.

Zeitrelationen entstehen aus dem Nacheinander von Veränderungen und Ereignissen. Im Nacheinander ist bereits die Richtung von früher zu später gegeben. Wer ein handfesteres Argument braucht: Zeitrelationen können nur von jetzt in die Zukunft gemessen werden. Der Grund dafür ist, dass die Vergangenheit nicht mehr materiell existiert, sondern nur in unserem Gedächtnis. Die Welt befindet sich in jedem Augenblick in einem bestimmten Zustand. Vergangene Zustände sind nur in unserem Gedächtnis, aber nicht mehr real vorhanden. Physikalisch real ist der Zustand der Welt im gegenwärtigen Augenblick, und physikalisch real wird  der Zustand sein, der in einem zukünftigen Augenblick eintreten wird. Um eine Zeitspanne zu messen, kann ich die Stoppuhr nur jetzt starten und in einem zukünftigen Jetzt anhalten. Man kann aber nicht von jetzt in die Vergangenheit zurück messen.

Wenn ein großer räumlicher Abstand zwischen Beobachter und Objekt besteht, so können zwar Zeitrelationen gemessen werden, die bereits in der Vergangenheit liegen. Was wir jetzt auf der Sonne beobachten, hat sich bereits vor acht Minuten ereignet.  Aber auch in diesem Fall gilt, dass Zeitrelationen nur von früher nach später gemessen werden können.  Was sich vor acht Minuten auf der Sonne ereignet hat, ist Vergangenheit. Aber diese Vergangenheit ist in dem Licht gespeichert, das uns als Informationsträger über den Zustand der Sonne informiert.

Daher haben Zeitrelationen eine eindeutige Richtung. Selbst wenn die Welt wieder zu einem früheren Zustand zurückkehren würde, so wäre das später als jetzt. Gleich welche neuen Ereignisse kommen, gleich ob sie eine Rückentwicklung der Welt bedeuten, sie erfolgen stets in der Zukunft, das heißt später als jetzt. Ein Pendel schwingt hin und her, weg vom Ausgangspunkt und wieder zurück. Trotzdem läuft die Zeit nicht hin und zurück, sondern sie verläuft von einer Pendelschwingung zur anderen stetig nur vorwärts. Das Pendel sagt über die Richtung der Zeit nichts aus, so wenig wie die Entropie ein Beweis für die Richtung der Zeit ist..

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